Der Schild des Achilleus

In der ‹Ilias› berichtet Homer vom strahlenden Helden Achilleus, der mitten in den Wirren um die Belagerung der Stadt Troia seine Rüstung verliert. Seine Mutter Thetis eilt auf den Olymp und bittet Hephaistos, ihrem Sohn eine neue Rüstung zu schmieden. Der Götterschmied fertigt, gewissermassen unter unseren Augen, einen herrlichen kreisrunden Schild. Darauf bildet er Himmel und Erde, Städte und Felder, einen festlichen Reigen und als umlaufendes Band den Ozean.

Auf den ersten Blick scheint alles einfach. Hephaistos stellt dar, was er vom Götterberg aus eben sehen mag. Inmitten des Erdkreises liegen zwei Städte, eine in ungestörtem Frieden, eine in drangvoller Belagerung. Könnte letztere Troia sein – welches wäre die andere? Unter Schnittern sinnt ein König, hinter Wall und Graben versteckt sich ein Weinberg, Tanzende wirbeln um einen göttlichen Sänger.

Lobt Ephraim Lessing dieses “lebendige Gemälde einer Handlung”, so rühmt Homer-Forscher Joachim Latacz das “Mittel zur Erhöhung der Spannung”. Was aber sollen die lebenden Bilder auf dem Schild denn bedeuten? Blickt man unter die Oberfläche, so erscheinen geheimnisvolle und verschlüsselte Zeichen und Strukturen. Sorgfältige und umfassende Textvergleiche bringen die Bilder zum Sprechen und ermöglich es, das Geschehen auf dem Schild allmählich zu verstehen und in das Umfeld von ‹Ilias› und ‹Odyssee› einzubetten.

Date
Jan 01 1970
Time
5:30 pm - 7:00 pm BST (16:30 UTC)
Lecture Room, Psychology Club Zurich, Gemeindestrasse 27, Zürich, Switzerland
Cost
CHF20.00

Speaker

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