Die Referentin schreibt dazu:
„Bald, sehr bald, wirst Du ein Held sein müssen. Ja, hast Du gerufen. Und? An Deinen Augen sah ich, Du hast mich begriffen. Einen Helden kann ich nicht lieben. Deine Verwandlung in ein Standbild will ich nicht erleben.“ Zitat: Kassandra zu Aeneas in Ch. Wolfs Roman „Kassandra“.
In ihren Erzählungen »Kassandra« und »Medea-Stimmen« erzählt die Autorin die beiden alten Mythen neu aus einer weiblichen Sicht. Beide Protagonistinnen scheitern an den Bedingungen der patriarchal geprägten Gesellschaftsstruktur. Ich werde in meinem Vortrag mich diesen beiden Frauengestalten mit der Frage nähern, in wieweit sie emanzipierte Frauen sind, welche Wertigkeit das „Weibliche“ in Ch. Wolfs Erzählungen bekommt, und ob die Utopie einer Gesellschaft, in der die polaren Gegensätze von Weiblich/Männlich oder vielleicht besser Yin und Yan ausgeglichen wären, mehr Gerechtigkeit, Absage an Macht und Unterdrückung, Achtung der Naturbedingungen und einen neuen Inhalt für die Beziehung von Mann und Frau bringen würde. Grundlage bei meiner Reise in die Welt der Literatur sind die Analytische Psychologie und die Gedanken des Jung Schülers Erich Neumann mit seinen Forschungen zum Weiblichen und dem Ursprung des Bewusstseins.
Eine Kenntnis der Erzählungen ist nicht Voraussetzung, aber es lohnt sich wieder Christa Wolf zu lesen!